Kann denn Essen Sünde sein?

oder warum bewusster Genuss der Schlüssel für ein gutes Leben ist.

Bei der diesjährigen Mitgliederversammlung VINISSIMA e.V. – dem Netzwerk der deutschen Weinfrauen – wurden namhafte Referentinnen zu Wein- & Genussthemen nach Würzburg eingeladen. Mit dabei die bekannte Ernährungswissenschaftlerin, Foodtrendexpertin und Buchautorin Hanni Rützler zum Thema Genuss & Foodtrends.

Muss denn Essen Sünde sein?
So heißt nicht nur ihr neuestes Buch, auch in ihrem Vortrag plädierte sie für einen gelassenen Umgang mit Essen & Trinken. Hier einige Thesen dazu, nachzulesen auch im Interview von Spiegel-online:

„Ich bin Flexitarierin: Ich brauche nicht unbedingt Fleisch, aber manchmal schmeckt es mir. Fisch mag ich auch sehr gerne.“

„Wir essen und trinken viel zu oft am Genuss und an der Freude vorbei. Wir blicken lustfeindlich auf unsere Nahrung, stellen alles unter Generalverdacht: Nikotin und Alkohol, Fett und Zucker, Glutamat natürlich, Fleisch und immer häufiger auch alle anderen tierischen Lebensmittel. Gluten und Laktose beäugen wir auch skeptisch. Überall sehen wir Probleme. Das ist eine Reaktion auf den Überfluss. Viele von uns schaffen es noch nicht, sich in dem Schlaraffenland zurechtzufinden, in dem sie leben. Die vollen Supermärkte sind zwar ein altes Traumbild, aber im Moment sorgen sie eher für Stress als für Freude.
Natürlich müssen wir uns fragen, wie wir unser Gemüse anbauen oder wie wir die Tiere halten, die wir essen. Gerade in Zeiten des Überflusses. Aber ich wehre mich gegen Fundamentalismus, gegen Essen als neue Religion. Manchmal frage ich mich, wer dem guten Leben mehr schadet: die Ernährungsindustrie oder die Ernährungsfundamentalisten. Ihr Vorbild erzeugt wahnsinnig viel Druck. Früher hieß es: Man ist, was man isst. Heute heißt es: Man ist, was man nicht isst.
Mein Rat ist es, sich nicht verrückt machen zu lassen, nicht nur über mögliche Probleme und Gefahren unseres Essens nachzudenken. Wir sollten uns häufiger erlauben, einfach mal bewusst hinzuschmecken. Das schult den Gaumen. Und es hilft, uns zu reflektierten Genießern zu entwickeln.”

Genuss ist nicht das Gegenteil von Gesundheit , sondern ist der Schlüssel, um nicht nur gesund, sondern auch gut zu leben, so Ihr Fazit.

Was bei uns Weinfrauen schon immer mehr oder weniger praktiziert wird und wir als Anregung gerne mit nach Hause nahmen;
das tägliche Glas Wein geniessen,
kleine Genussinseln im Alltag schaffen,
ab und an sich eine kleine Sünde mit Freude gönnen
und letztendlich spüren, was einem gut tut.
Ausgewogenheit, Bewusstheit und immer mit Freude!

Ein Prosit auf diese Worte liebe Frau Rützler.

Tageskarte  11.02.15/ Buch/ Hanni Rützler, Wolfgang Reiter: Muss denn Essen Sünde sein?

Hanni Rützler, geboren 1962 in Bregenz, ist eine der international renommiertesten Foodtrend-Forscherinnen. Die Ernährungswissenschaftlerin und Gesundheitspsychologin leitet das futurefoodstudio in Wien und hat zahlreiche Bücher über Esskultur geschrieben. Sie ist mit dem Kulturwissenschaftler, Theatermacher und Journalisten Wolfgang Reiter verheiratet und hat gemeinsam mit ihm soeben ein neues Buch veröffentlicht:
“Muss denn Essen Sünde sein? Orientierung im Dschungel der Ernährungsideologien”.

 

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