Buchsbaum adé – scheiden tut weh*

Seit drei, vier Jahren wütet die giftgrüne Raupe des Buchbaumzynslers in den immergrünen Büschen- und Buchsbaumhecken in Rheinhessen und hinterlässt kahle Gerippe. Bisher konnte ich dies mit Absammeln der Raupen und ohne schädliches Bienengift verhindern. Viele Besucher fragten mich nach Tipps und bewunderten das satte Grün in meinem Garten.

EndeBuchs 2 Juli war es dann dahin mit der grünen Pracht. Als ich nach 2 Wochen Sommerurlaub zurück kam, wimmelte es nur so von den giftgrünen Fressern;
Kaputulation – Ende Gelände – Keine Lust auf Dauerpatient – Buchs muss raus – Oh weh!

Tschüs mit Immergrün im Winter, natürliche Wühlmaussperre, Roseneinfassung mit Buchskugeln, bewährte Gartenstruktur – nach über 25 Jahren wird es jetzt Zeit, dass ich dem scheidenden und langlebigen Buchsbaum (kann bis zu 600 Jahre alt werden) eine kleine Ode widme.

Altes Kulturgut und Spiesser
Der Buchsbaum (buxus sempervirens) spielte eine gewichtige Rolle in der Gartenkunst. Die alten Ägypter und die Griechen kannten den Buchsbaum als magische Pflanze.  Die Römer nutzten ihn als Heckeneinfassung  oder Umrandung, um Ordnung und Raumgliederung zu schaffen. Als in den Gärten von Versailles die winterharte Pflanze als Beeteinfassung verwendet wurde, und so Macht und Machbarkeit der weltlichen Herrscher über die Natur bezeugte, gelang der Durchbruch.  In französischen und italienischen Schlossgärten der Renaissance wurden die niedrig geschnittenen Buchbaumhecken zum typischen Gestaltungselement. Vom mittelalterlichen Klostergarten bis hin zur Einfassung eines Bauerngartens war der Buchsbaum die erste Wahl für formale Beet- & Gartengestaltung.

Buchsbaum im Bauerngarten – Zitate:
„Die alten Germanen lieferten den Zaun, von den Römern stammt das Obst, die Mönche des Mittelalters sorgten für Heilkräuter und kreuzförmige Wege und der Adel steuerte den Buchsbaum bei – fertig war der Garten, dem die Bauern nur noch ihren Namen überlassen mussten: der alte Bauerngarten.“ Auf den Punkt gebracht von Hermann Kaiser in „Bauerngärten zwischen Weser und Ems“ (2001).

Zitat & Pflanzanleitung von Henriette Davidis 1859 – Der Küchen- und Blumengarten für Hausfrauen:
„Buchsbaum- die feinsten Einfassungen vorzüglich für kleinen Gärten.
…es ist gar nicht in Abrede zu stellen, daß Einfassungen der Beete mit Sauerampfer, Thymian, Schnittlauch u. dergl., besonders in Gärten großer Haushaltungen auf dem Lande, den größten Nutzen für Menschen und Vieh hervorbringen; zugleich werden sie den Boden am wenigsten ausmagern, sind auch leicht zu reinigen, ohne große Mühe und Kosten umzupflanzen und leicht auszubessern. Dennoch gibt man, der Schönheit und Bequemlichkeit wegen, mit Recht Einfassungen aus Buchsbaum den Vorzug.”

Buchsbaum als Sinnbild des Lebens
Die immergrünen Blätter galten als Sinnbild der treuen Liebe, der Hoffnung und des immerwährenden Lebens. Bei Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen trug man ein Sträußchen Buchs. Im Palmbuschen für Palmsonntag durfte der Buchs nicht fehlen. Nach der Weihe wurden die Zweige zu kleinen Kreuzen zusammen gebunden und auf Haus, Stall, Gehöft verteilt- als Segen & Bitte für reiche Ernte und Abwehr von Unglück.


Abschied & Ausblick

Schweren Herzens wurden bereits im Oktober drei Beete mit Buchsbaumeinfassung geräumt. Das vierte Beet ist am wenigsten befallen und darf noch ein bischen bleiben. Wie es im Garten Knab ohne Buchs weiter geht, wird sich in den nächsten Monaten zeigen.
Das ist auch der Grund, warum wir den Garten im Sommer nicht öffnen und eine kleine Auszeit brauchen. Gut Ding will Weile haben.
Aber Frau Davidis deutet es schon an; “Schnittlauch & Thymian bringt Nutzen” die Gartenfrau folgt.
Buchs raus – Kräuter rein ist der Plan – das Frühjahr wird es bringen.

Wer den Buchs im Garten behalten will – gute Tipps vom BUND – HIER:thumb.php

Noch mehr Geschichte & Geschichten zum Buchsbaum – HIER:

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