Wegleuchte & Muckefuck

WEGWARTE

Sie wartet und wartet am Vormittag
Und lauscht jedem einzelnen Glockenschlag.
Sie wartet an Straßen und Wegen
Und wartet bei Sonne und Regen.
Sie wartet auf zwölf Uhr in aller Ruh,
denn mittags – macht sie ihre Blüten zu.
Hannes Bosse

Seit letztem Jahr hat die Wegwarte mit ihren Blauen Sternenblüten einen festen Platz in meinem Garten.
Jetzt im Frühling können die jungen Blättchen gesammelt werden und unter den Salat gemischt ihre wohltuende Wirkung auf den Stoffwechsel entfalten (Anregend für Galle Leber & Verdauung).

Die Blaue Wegwarte (Cichorium intybus), auch Zichorie, Wegleuchte, Gemeine oder Gewöhnliche Wegwarte genannt, gehört zur Familie der Korbblütler und ist mehrjährig mit langem Wurzelstock. Diese heimische Wildpflanze wird bis zu 1,5 m hoch und wächst gerne am Wegrand. In früheren Zeiten wurde die Wegwarte als Heilkraut, Gemüse oder Kaffee- & Tabakersatz verwendet. Alle Teile der Pflanze sind milchsaftführend. Die Kulturformen der Wegwarte sind Chicorée, Zuckerhut, Radicchio und die Wurzelzichorie. 

Wegwarte grün

Logo RheinhessenquadratIn meinem Historischen Gartenquadrat der Rheinhessischen Gartenführer durfte die Wegwarte als heimisches Gartenkraut mit langer Geschichte nicht fehlen. Zusammen mit Schnittlauch, Baldrian, Ysop & Dost eroberte sich die Wegwarte schnell ihren Platz in der Mitte des Quadrats und genoss die Aufmerksamkeit der Gartenbesucher.
Weit hin sichtbar leuchteten die himmelblauten Blüten bis in den Sommer hinein und erfreuten Schwebfliegen und Insekten.

 

Kräuterquadrat

 

Anwendungsmöglichkeiten in der Küche:
Von der Wegwarte können Blätter, Stängel, Blüten & Wurzeln verwendet werden. Die Blätter werden nach der Blüte sehr bitter, ähnlich wie Wermut.

Blätter vor der Blüte: Die ersten zarten Blätter können in kleinen Mengen in Salate, Suppen, Gemüsegerichten oder Kräutersaucen eingesetzt werden oder als verdaungsfördernder Tee getrunken werden. Getrocknete Blätter wurden früher als Tabakersatz verwendet.

Stängel: Von April – Juli kann man die zarten Pflanzenstängel als Pfannengemüse dünsten.

Blüten: Die blauen Blüten sind essbar und ein Hingucker auf Salat, Brotaufstriche oder Kräuterquark.

Wurzeln: Die junge Wurzel kann wie Pastinake als Gemüse zubereitet werden. Oder man trocknet die Wurzel und röstet sie in einer Pfanne als Verwendung von Ersatzkaffee oder Muckefuck.

 

5f0623209ec1c75e0f43e0b28908d0d21816 – 2017 Rheinhessen – Wegwarte als “Muckefuck-Kaffee”

Namensherkunft „Muckefuck“:
Die blaue Wegwarte oder Zichorie war ab 1770 in fast aller Munde, denn aus ihren Pfahlwurzeln wurde Ersatzkaffee der sogenannte Muckefuck gebraut. Der Begriff kommt vermutlich aus dem französichen „Mocca faux“ für „falschen Kaffee“ oder ist eine Zusammensetzung der Wörter „Mucke“ für „braunen Holzmulm“ und „fuck“ von „faul“, wie Sprachwissenschaftlicher vermuten.
Für unser französisch geprägtes Rheinhessen ist es der Mocca faux – „natürlement“!

Zichorienkaffee, auch Landkaffee genannt, wird aus den Wurzeln der Gemeinen Wegwarte hergestellt. Die Verwendung als kaffeeähnliches Getränk setzte um 1680 in Mitteleuropa mit der Verbreitung von Bohnenkaffee ein, für den eine preisgünstige Alternative gesucht wurde. Die Wurzeln der Wegwarte wurden getrocknet, in einer Pfanne geröstet und dann gemahlen. Der Geschmack war ähnlich dem Bohnenkaffee und durch den Röstvorgang der Zichorie entstanden anregende Substanzen aus der Familie der Beta-Carboline. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurde in Deutschland die erste Zichorienfabrik errichtet und nicht selten mengte man den billigeren Wurzelkaffee den teuren Bohnenkaffee bei. Aber der Durchbruch des Muckefucks  gelang, als zu Beginn des 19. Jahrhunderts Napoleon eine Kontinentalsperre einberufen ließ und die Mitteleuropäer einen schnellen und guten Ersatz für das beliebte heiße Getränk aus den exotischen Kaffeebohnen suchten.
Nach dem Zweiten Weltkrieg geriet Ersatzkaffee oder auch Landkaffee genannt, zunehmend in Vergessenheit.
Heute gibt es vor allem im Naturkostladen wieder Alternativen in Form von Getreide- und Malzkaffee.

  • Quellen: Wikipedia
  • Die BLV Enzyklopädie der Heilpflanze von Andrew Chevallier
  • Essbare Wildpflanzen, S. Fleischhauer
 

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